Brief an den Berliner Kurier zum Beitrag "Schluss mit Wildtieren im Zirkus"
(Ausgabe vom 16.04.2010, Seite 12)

Antwort des Fördervereins Internationales Artistenmuseum e. V.:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Erstaunen habe ich in der heutigen Ausgabe des Berliner Kurier die Absicht der Senatorin, Frau Katrin Lompscher vernommen, dass sie künftig verhindern will, in Berlin öffentliche Flächen an Zirkusse zu vermieten, die Affen, Elefanten, Giraffen, Nashörner, Raubkatzen, Delfine, Seelöwen und Flusspferde halten.

Da ich mir nicht vorstellen kann, dass DIE LINKE es sich zur Aufgabe macht, die mehrhundertjährigen Traditionen der Menagerie und Zirkusse durch Bürokratie zu zerstören, halte ich diese Anregung für völlig verfehlt.

Seit der ersten zirkusähnlichen Vorstellung durch den englischen Kunstreiter Jacob Bates 1764 in Moskau, hat der traditionelle ebenso wie der moderne Zirkus drei Säulen: Den Artisten, den Clown und die dressierten Tiere. Wenn Tiere aus dem Zirkus verbannt werden sollen, indem diese Unternehmen keine öffentlichen Plätze erhalten, zerstört die Senatorin den traditionellen Zirkus und wandelt ihn in ein Reise-Varieté.

Vielleicht ist schon vergessen, dass gerade durch die Raubtierdressuren, die schwarzen Panther von Nationalpreisträger Hanno Coldam und die Eisbären von Nationalpreisträgerin Ursula Böttcher, der ehemalige Staatszirkus der DDR Weltgeltung erhalten hat.

In Gefangenschaft geborene Tiere kennen nur ihre Umgebung und keine freie Wildbahn. Sie liegen nicht untätig in Zooanlagen, sondern werden beschäftigt und erhalten im Gegensatz zu vielen Menschen ihren Lohn sofort nach erbrachter Leistung. Tiere im Zirkus geben mit Exotik und Atmosphäre dem Zirkusbesucher das Flair, das ihn anregt, unterhält und oft auch begeistert.
Das darf doch nicht verhindert werden! Oder will der Senat unbedingt auf dringend benötigte Platzgelder verzichten und sie ausschließlich den privaten Grundbesitzern zukommen lassen?

Mit freundschaftlichen Grüßen
Ihr

Roland Weise
Direktor des Artistenmuseums